BP2- Wie wir uns gegenseitig beeinflussen

von: Raffael Salerno

Im Laufe der Evolution hat sich eine bestimmte Fähigkeit beim Menschen als besonders wertvoll ausgezeichnet. Die Fähigkeit selbst höchst komplexe Zusammenhänge kommunizieren zu können.


Somit ist die Kommunikationsfähigkeit beim Menschen sein wichtigstes Hilfsmittel bei der Evolutionären Entwicklung der Spezies Mensch. Diese Kommunikationsfähigkeit ist allgegenwärtig und maßgebend für das menschliche Vorgehen. Vor allem in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Dort ist Kommunikation oft das wichtigste Kriterium für das Gelingen oder das Misslingen von Interaktionen.

Allerdings ist dieses Kommunikationsverhalten geleitet durch unsere innere Biologie. Freuen wir uns oder ängsten wir uns wirkt sich das auf uns aus und dementsprechend kommunizieren wir ängstlich oder freudig überschwänglich.

Diese Kommunikationswirkung wird im Artikel BiKom genau erklärt. Es wäre hilfreich und wichtig für das bessere Verständnis des nachfolgenden Artikels “Beziehungsprobleme – Die Lösung”  wenn sie vorab den Artikel BiKom lesen würden. Damit sie verstehen können wie unsere Biologie und Kommunikation auf uns wirkt.

Jede Art von zwischenmenschlicher Interaktion und Kommunikation hat eine Wirkung auf uns.

Diese biologische Wechselwirkung zwischen den Beteiligten, ist es die uns bei allen unseren Beziehungsproblemen begleitet und meistens auch erschwert wieder zueinander zu finden.

Da die Kommunikation in allen Bereichen des Menschen elementar ist, wollen wir diese besondere menschliche Fähigkeit genauer betrachten. Ganz vereinfacht dargestellt bedeutet Kommunikation einer sagt etwas der andere hört das verarbeitet es und reagiert darauf. Dieses Spiel geht dann hin und her. Solange die wechselseitigen Botschaften und Reaktionen positiv sind haben wir Freude daran und gibt es keine weiteren Probleme wie z.B. beim Flirten. Erst wenn die Botschaften keine guten Wirkungen auf uns haben wird es problematisch.

Nehmen wir Martina A. (Name wurde geändert). Martina ist tagsüber glücklich, sie ist selbständige Künstlerin und muss von Ihrem Einkommen nicht leben, da Ihr Mann gut verdient. Wenn sie also tagsüber mit Ihren Kunden oder Freunden spricht, ob im Atelier oder telefonisch, so hat sie oft erfreuende und erfüllende Gespräche die ihr gut tun und über Themen die ihr Freude bereiten. Nur abends wenn sie nach Hause kommt da ändert sich ihre Laune und ihr Kommunikationsverhalten. Sobald sie die Wohnungstür öffnet da lauscht sie schon ob ihr Mann Horst (Name wurde geändert) da ist. Meistens sieht sie das schon an den hingeschmissenen Schuhen und der Unordnung im Flur.

Ist Horst da verändert sich bei Martina sofort ihre gesamte innere Haltung sie ist angespannt und beim Anblick der Unordnung gleich schlecht gelaunt. Also sucht sie in der Wohnung nach ihrem Mann und kaum sieht sie ihn sind die ersten Worte: „Musst du deinen Dreck überall liegen lassen“, Horst der es gewohnt ist mit anblaffen begrüßt zu werden blafft dann gleich zurück: „tolle Begrüßung“ ohne weiter auf die Anschuldigungen von Martina einzugehen. Womit Martina sich noch mehr ärgert aber auch traurig macht, weil Martina sich in gewisser Weise wegen dem geringen Einkommen ihres Ateliers von Horst abhängig fühlt. Der Gesamtzustand ihrer Beziehung raubt ihr die letzte Kraft das sie am liebsten immer länger in ihrem Atelier verweilt und gar nicht mehr nach Hause will. Horst geht es ähnlich diese ständigen Rangeleien und Streitigkeiten vermiesen ihm die ganze Freude.

Diese Wechselwirkungen, sowohl in der Kommunikation, was und wie jemanden etwas sagt oder tut, als auch das restlichen Verhalten ist es das uns immer weiter in die Negativspirale zieht und es uns erschwert von alleine da wieder herauszufinden. Wir sind in diesem fast voll automatisch ablaufenden biologischen Prozess gefangen das wir es selbst nicht merken wie wir unkontrolliert die Dinge geschehen lassen. Wir sind so sehr mit dem agieren beschäftigt das wir gar nicht dazukommen nachzudenken ob das jetzt wirklich Sinn macht und gut ist was wir tun oder nicht. Auch aufgrund der Hormone die während eines solchen Prozess ausgeschüttet werden sind wir nicht mehr in der Lage klar zu denken. In diesem biologischen Abwehrmodus (BA) hat die Biologie die Oberhand und wir agieren teilweise nur noch wie ferngesteuert. Kommunikation ist somit nicht nur das Senden und Empfangen von Botschaften, sondern viel mehr. Es gibt sehr viele Erklärungen darüber wie Kommunikation funktioniert. Zwei der weitverbeitesten Modelle sind das Eisbergmodel und das Vier Seiten Modell von Friedemann Schulz von Thun.

Der „Kommunikations-Eisberg“

Die äußere wahrgenommene Wirklichkeit wird von uns Menschen zu unserer ganz persönlichen inneren Wirklichkeit umgestaltet. Während auf der Sachebene rational diskutiert wird, werden auf der Gefühlsebene Emotionen freigesetzt.

So ist in der Kommunikation meist nur der geringere sichtbare Anteil bewusst. Der verborgene größere Anteil, jener Anteil, der unsere Gefühle steuert, ist fast immer nicht bewusst. Er aber bestimmt jedoch, wie wir eine gesendete Nachricht tatsächlich verstehen oder besser wie wir sie interpretieren.

Denn nur 20 % sind Sach- Inhaltsebene
(rational, Austausch sachlicher Informationen, Vernunft, Geisteswissen, Kognitiv).

80% Emotionale – Beziehungsebene
(emotional, bewusste und unbewusste Wahrnehmung von Gefühlen).
Fast alle Entscheidungen werden hier getroffen (auch Kaufentscheidungen).

 

Das “Vier-Seiten-Modell”

Nach Friedemann Schulz von Thun sind bei der zwischenmenschlichen Kommunikation drei Dinge erkennbar:
1. Kommunikation ist eine vier-dimensionale Angelegenheit.
2. In einer Nachricht sind viele Botschaften gleichzeitig enthalten.
3. Die vier Aspekte einer Nachricht sind gleichrangig.

Die vier Seiten einer Botschaft:

Die Sachebene
Worüber ich informiere -Der Inhalt meiner Botschaft.

Die Selbstoffenbarung
Was ich von mir selbst kundgebe – Meine Absichten und Gefühle.

Der Appell
Wozu ich jemanden veranlassen möchte.

Die Beziehungsebene
Was ich von dir halte (Du-Botschaft) und wie wir zueinander stehen (Wir-Botschaft)
Oft ausgedrückt durch die Art der Formulierung und den Tonfall.

 

Legen wir nun beide Modelle übereinadern ergibt sich folgendes recht aussagekräftiges Gesamtmodel:

Wir erkennen daraus dass die emotionale Ebene die wesentlich einflussreichere Ebene ist bei der Gesamten Interaktion mit anderen Menschen. Somit ist für Beziehungsprobleme, zwischenmenschliche Interaktionen und für fast alle zwischenmenschlichen Probleme die Wirkung der Kommunikation (BiKom) sehr wichtig. Darüber gibt es leider nur wenig, so dass die Akademie für zwischenmenschliche Beziehungen (AFZMB) sich dieses Themas angenommen hat und darüber viele verschiedene Fakten, Studien und Untersuchungen, über mehrere Disziplinen, erarbeitet und gesammelt hat.

Die Wirkung der Kommunikation ist allgegenwärtig. Mit jedem Wort, Geste, Mimik oder Verhalten das wir von uns geben haben wir eine Wirkung auf uns selbst und auf unser Umfeld. Genauso hat jede Geste, Mimik, Verhalten und Worte der Anderen eine Wirkung auf uns. Dieser gegenseitige Einfluss auf unser Wohlbefinden, Verhalten und unsere Reaktionen ist es, warum Kommunikation manchmal so schwierig und problembehaftet sein kann. Vor allem weil wir aufgrund der Regulation und Kontrolle unserer Biologie oft gar nicht bewusst kommunizieren, sondern durch die Biologie gleitet mehr agieren und reagieren als das wir wohlüberlegt besonnen und bedacht interagieren.

Würde Horst bei dem Angriff von Martina ruhig bleiben können weil er nicht in den biologischen Abwehrmodus (BA) abrutscht. Nicht gleich automatisch in Abwehrstellung gehen und gleich zurückschnauzt, sondern seine Frau erst einmal in den Arm nehmen, sie liebevoll begrüßen, ihr rechtgeben, mit der Unordnung und dann seine Sachen aufräumen wäre die Reaktion von Martina eine andere. Wenn sie ihn überhaupt nicht mehr mag würde sie sich davon erdrückt fühlen und versuchen schnell diesen Körperkontakt zu lösen. Würde jedoch weniger angriffslustig und gefrustet sein. Wenn sie noch etwas für ihn empfindet würde sie sich wieder beruhigen, noch das eine oder andere sagen um ihren Vorwurf zu bekräftigen. Horst würde freundlich das eine oder andere dazu scherzhaft äußern und die Situation wäre friedlich geklärt, bis zum nächsten Mal. Nur ob Horst auch wirklich so reagieren will ist fraglich und eher unwahrscheinlich. In der Beratung haben Horst und Martina gemeinsam einen Weg gefunden wie sie sich in solch einer Situation zukünftig verhalten werden, damit beide sich dabei wohl fühlen können.

Das bedeutet unsere innere Einstellung und entsprechenden Reaktionen auf die Aktionen des Anderen bestimmen welch Art von Wirkung das Gesagte oder Verhalten des Anderen auf uns hat. Fühlen wir uns attackiert reagieren wir entsprechend angriffslustig, fühlen wir uns hingegen nicht in die Enge gedrängt dann können wir ruhig oder sogar freundlich auf den Vorwurf des anderen reagieren und entsprechend deeskalierend aggieren.

Eine Beziehung ist die intimste Art der Kommunikation und somit die verletzendste Art wenn es nicht gut läuft. Es gibt wohl kaum jemanden in unserem Bekannten, Verwandten oder Freundeskreis, den wir so beleidigen, verletzen, beschimpfen, unter Druck setzen, herumkommandieren, kritisieren oder schikanieren wie unseren Partner oder von diesem so behandelt werden.“

Verbundenheit und Zugehörigkeit ist lebenswichtig, teilweise für Kinder sogar überlebenswichtig. Unsere gesamte Biologie ist auf ein paar bestimmte Bereiche ausgerichtet und die zwischenmenschlichen Beziehungen insbesondere die Paarbeziehung ist einer dieser wenigen wichtigen Bereiche und hat dadurch einen sehr starken Einfluss auf unser gesamtes Wohlbefinden und Verhalten. Das macht diesen Lebensbereich so wichtig für uns und je wichtiger etwas für uns ist, desto empfindlicher reagieren wir darauf. Deswegen ist die biologisch korrekte und angstfreie Kommunikation gerade in einer Beziehung elementar. 

Wie bereits geschrieben sind alle diese biologischen Grundelemente im Artikel biologische Kommunikationspsychologie (BiKom) genauer beschrieben. Sollten sie diesen Artikel noch nicht gelesen haben würden wir ihnen das jetzt nahelegen bevor sie weiterlesen.

Um den größt möglichen Nutzen aus den folgenden Zeilen ziehen zu können.

Zum Artikel BiKom hier …

Weiter zu:

BP1- Einleitung
BP2- Wie wir uns gegenseitig beeinflussen
BP3- Die Ursachen unserer Beziehungsprobleme
BP4- Wer ist der Problemverursacher, wer der Problembesitzer
BP5- Unsere wahren Ängste
BP6- Ihre innere Einstellung
BP7- Die Lösung

 

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