BP5- Unsere wahren Ängste

von: Raffael Salerno

Wenn wir nicht bereit sind vernünftig und sachlich über etwas zu reden dann steckt meistens eine Angst dahinter.

 Diese Ängste sind es die uns in den BA treiben. Diese Ängste müssen wir uns erst einmal bewusst machen und Lösungen dafür finden damit wir nicht mehr in den BA rutschen. Erst dann wird es uns möglich sein vernünftig, sachlich und ruhig über etwas zu sprechen. Erst dann werden wir den klaren Kopf bewahren können der nötig ist um Lösungen zu finden und Umsetzungspläne zu erarbeiten. 

Eine von Martinas großen Ängsten ist die geglaubte Abhängigkeit. Martina denkt das sie von Ihrer Selbständigkeit nicht leben kann also glaubt sie das sie mit Horst zusammenbleiben muss damit sie weiterhin das tun kann was sie am meisten erfüllt. Martina hat die feste ungute Überzeugung das kein anderer Mann diese Spinnereien von ihr mit tragen würde das es kaum noch eine so wie den Horst geben würde der das mitmachen würde. Sie befürchtete also dass wenn sie Horst oder Horst sie verlassen würde sie nicht mehr ihrer Künstlerei frei nachgehen könnte. Ihre Hauptangst ist das sie dann irgend einen unguten Job annehmen müsste und somit nicht mehr so viel Zeit für ihre Künstlerei hätte und viele andere Begleitängste noch dazu wie Verhungern, Dahinsiechen, geringer Lebensstandard, Hungern, allein sein, kein Auto mehr. Martina hing in der geglaubten Abhängigkeit von Horst fest.

Wir die wir diese Zeilen lesen haben natürlich viele Gedanken darüber was Martina hätte alles tun können. Aber für Martina die durch ihre Angst getrieben wurde waren die Gedanken nicht klar sie konnte darüber noch nicht einmal vernünftig nachdenken, der Gedanke allein daran machte ihr schon Angst. Alle ihre Gedanken drehten sich um ihre Ängste und nicht um irgendwelche Lösungen. Selbstverständlich hatte Martina viele Möglichkeiten nur für Martina waren diese nicht greifbar, in diesem Zustand nicht erkennbar. Martina musste erst Abstand zu ihren Ängsten gewinnen um wieder einigermaßen vernünftig über diese unangenehmen Dinge nachdenken zu können. Erst als sie selbst erkannt hat das diese Ängste fehlerhaft und zum größten Teil unbegründet wahren konnte sie auch andere für sie bessere Gedanken pflegen und sich immer mehr von diesen unguten Gefühlen distanzieren. Martina wurde innerlich ruhiger und gefaster.

Die neue innere Haltung wirkte sich auch auf die gesamte Beziehung aus. Martina lud ab dem Zeitpunkt keinen mehr zu sich ein und ging lieber selbst weg und konnte dadurch die Wohnung so sehr verkümmern lassen das es selbst Horst zu viel wurde und er von sich aus bereit für Kompromisse war. Aber Martina nahm das nicht triumphierend auf oder machte gleich Vorwürfe oder redete schlau daher, sondern sie nahm es dankbar an war froh für seine Einsicht und beide konnten in Ruhe über vernünftige Kompromisse reden. Da erkannte Horst erst was für Martina das ganze wirklich bedeutete. Vorher konnte er es nicht verstehen warum Martina wegen dem Haushalt so viel Ärger machte. Auch Horst brauchte seine Zeit um mit seinen Ängsten fertig zu werden und sie zu reduzieren. Beide haben sich in dieser Zeit weiterentwickelt und konnten erst als die Zeit dafür reif war neu zueinander finden.

Martina erkannte das sie sich nur durch die Wohnung quälte wenn sie wusste das Besuch kam und sie lud oft jemanden zu sich ein weil sie glaubte das sie Freundschaften auf diese Art pflegen musste weil sie sonst niemanden mehr hätte der etwas von ihr wollen würde. Aus diesem Grund war sie auch immer eine gute Gastgeberin zu der viele gerne kamen. Viele Ängste die mit anderen Ängsten verbunden sind sobald wir diesen Wirrwarr einmal gelichtet haben wird es immer einfacher die wahren Ängste zu erkennen und das Gesamtverhältnis zu durchblicken.

Somit sind es unsere Ängste durch die wir Veränderungen abwehren und die verhindern dass wir über etwas vernünftig nachdenken und reden können. Die Angst vor den möglichen negativen Konsequenzen für unsere Wünsche, Vorstellungen, Wohlbefinden oder sogar weiteres leben. Diese geglaubten negativen Konsequenzen sind es die uns blockieren und blitzschnell in den biologischen Abwehrmodus treiben.

Hier ist die Betonung auf MÖGLICHEN denn wir glauben, nehmen es an das diese Konsequenzen sein könnten, oder haben damit schon ungute Erfahrungen gemacht und befürchten das wir das wieder erleben müssen. Unsere unguten von der Angst projizierten Vorstellungen darüber sind es die uns dazu treiben dagegen an zu kämpfen. Aber jedes Kämpfen ist wiederum biologisch beeinflusst und diese biologische Kontrolle ist manchmal so stark das wir in Ohnmacht fallen.

Aber stimmt das wirklich mit unsern Ängsten. Ist es wirklich so dass wir nie mehr einen Partner finden, wenn wir verlassen wurden. Nie mehr einen Job finden wenn wir gekündigt wurden. Verhungern müssen wen wir keinen Job haben. Stimmt das wirklich oder bilden wir uns das meistens nur ein. Diese erlernte und konditionierte Generalisierung und Verallgemeinerung bis hin zu maßlosen Übertreibung macht uns mehr Angst als es die Realität könnte. Da unser Körper das nicht genau differenziert ob Hirngespinst oder tatsächlich vorhandene Gefahr reagiert unsere innere Biologie auch auf diese übertriebenen Vorstellungen als könnte das wirklich passieren und dem entsprechend unnachgiebig und Bedingungslos agiert dann unsere Biologie wen sie nur in die Nähe solcher Gefahrenzonen oder Situationen kommt. Dieser für uns überlebenswichtige Schutzmechanismus richtet sich in diesem Fall unvorteilhaft gegen uns. Deswegen müssen wir uns die Ängste in jedem Bereich der Beziehung genau ansehen.

Auch hier müssen wir für jeden einzelnen Bereich in der Partnerschaft die geglaubten Ängste erarbeiten. Beim Haushalt hatte Martina Angst das alles an ihr hängen bleibt und dabei immer das Gefühl hatte die billige Putze ihres Mannes zu sein. Auch kam sie jedes Mal in Stress wenn sie wusste das Besuch kommt und sie wollte eine gute Gastgeberin sein. Beim Sex hatte Horst Angst das es bald gar nichts mehr gibt deswegen drängte er auf Häufigkeit. Beim Auto hatte Martina Angst ihre Kontakte zu verlieren und nicht mehr dort präsent sein zu können bei den wichtigen Leuten die für ihre Karriere von Vorteil sein könnten. Horst hingen hatte Angst bei den Freunden als Pantoffelheld dazustehen wenn er nicht mithalten konnte.

Wir müssen also genau differenzieren wer der Problemverursacher wer der Problembesitzer ist und welche Ängste dahinter stehen die verhindern dass vernünftig über eine Lösung gesprochen werden kann. Insbesondere müssen die Ängste überprüft werden wie realistisch diese wirklich sind und wie wir diese Ängste reduzieren oder gar auflösen können. Denn sonst wird es keine vernünftigen Lösungsverhandlungen geben können.

Die häufigsten Ängste in einer Beziehung sind:
Die geglaubte Abhängigkeit vom Partner. Also sein Glück oder Wohlbefinden vom Partner abhängig machen.
Angst vor dem Verlust der Verbundenheit und Zugehörigkeit, vor dem Alleinsein oder Ausgegrenzt sein.
Angst vor Zurückweisung
Die Angst dass der Partner einem im Weg zum Glück, zum Erfolg ist.

Diese Ängste sind meistens unbegründet und fehlerhaft. Das zu erkennen ist eine große Erleichterung für fast jeden betroffenen.

Weiter zu:
BP1- Einleitung
BP2- Wie wir uns gegenseitig beeinflussen
BP3- Die Ursachen unserer Beziehungsprobleme
BP4- Wer ist der Problemverursacher, wer der Problembesitzer
BP5- Unsere wahren Ängste
BP6- Ihre innere Einstellung
BP7- Die Lösung

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