1.0 Einleitung

von: Raffael Salerno

Es gibt viele Informationen, Ratgeber, Seminare oder Kurse darüber, wie Kommunikation funktioniert. Zum Beispiel das weit verbreitete Vier-Seiten-Modell von Friedemann Schulz von Thun (1981) oder die Kommunikationstheorien von Paul Watzlawick (1972) oder das Eisbergmodell und die Transaktions-Analyse. Diese Modelle dienen dazu, eine Erklärung zu finden, wie Kommunikation funktioniert. Auch in vielen Seminaren, Kursen und Ratgebern wird erklärt und teilweise geübt, wie wir kommunizieren sollten, damit wir zukünftig besser kommunizieren.

Allerdings kommen wir meistens nicht dazu so zu kommunizieren, wie wir es nach der Meinung vieler Ratgeber oder Seminare eigentlich tun sollten, und zwar deswegen, weil unsere Biologie bereits die Kontrolle übernommen hat, noch bevor wir zum Denken kommen.

Dazu Neurowissenschaftler Prof. Dr. Gerald Hüther:
„Wenn zu viel auf uns hereinprasselt, schaltet das Gehirn zurück, wir erleiden einen Rückfall in alte Bewältigungsstrategien. Da springen die archaischen Notfallprogramme an. Die haben wir übrigens mit allen Säugetieren gemeinsam: Das sind Angriff, Flucht und Erstarrung.“

Noch bevor wir eine der vielen guten Kommunikationstechniken anwenden können, hat oft schon die Biologie die Kontrolle übernommen. Genau dieses oft missachtete Hauptproblem ist das Anliegen der Akademie für zwischenmenschliche Beziehungen (AFZMB). Denn darüber gibt es leider nur wenig, so dass die Akademie für zwischenmenschliche Beziehungen (AFZMB) sich dieses Themas angenommen hat und darüber viele verschiedene Fakten, Studien und Untersuchungen, über mehrere Disziplinen, erarbeitet und gesammelt hat.

Wir wollen diese biologische Kontrolle in einem Beispiel kurz darstellen. Stellen Sie sich folgendes vor: Sie warten gerade geduldig darauf, dass ein Parkplatz frei wird, und als Sie schon zum Einparken ansetzen wollen, kommt ein anderes Auto daher und drängt sich in die Parklücke, so dass Sie gerade noch abbremsen können, um Schlimmeres zu verhindern, und der andere lacht auch noch hämisch. Werden Sie nun ganz sanftmütig zu der Person gehen und nach allen Regeln der Kommunikationskunst des Aktiven Zuhörens, der vier Seiten einer Botschaft, diese Person bitten, den Ihnen rechtmäßig zustehenden Parkplatz frei zu machen… Die meisten Menschen können sich in solch einer Situation kaum noch beherrschen. Da werden meistens alle guten Manieren und Kommunikationsregeln vergessen.

Hier lässt sich gut erkennen, wie wirkungsvoll der Einfluss unserer Biologie und unsere Gefühle auf unser Kommunikationsverhalten ist. Im Moment der Auseinandersetzung, des Streits sind wir oft blockiert, einfallslos, überrumpelt, es fällt uns nichts Gutes ein oder wir sind so außer uns vor Wut, dass wir alles mögliche von uns geben. Sobald jedoch alles vorbei ist, fällt uns auf einmal vieles ein, was wir hätten sagen oder tun sollen. Das bedeutet, selbst wenn wir zum Denken kommen, sind wir so aufgeregt, dass kaum nützliche Gedanken produziert werden. Dazu gibt es auch zahlreiche Beispiele aus der Neurowissenschaft. Diese geistige Leistungseinschränkung wird gezielt durch die Biologie verursacht, wie wir im Verlauf der weiteren Kapitel noch lesen werden.

Die Biologie des Menschen und seine Gefühle sind wichtige Elemente im gesamten Kommunikationsprozess. 

Unserer Auffassung nach müsste die Aussage von Paul Watzlawick
„Wir können nicht nicht kommunizieren“
folgendermaßen ergänzt werden
„Wir können nicht nicht biologisch kommunizieren“

Zu verstehen, wie Kommunikation funktioniert, ist wichtig, viel wichtiger ist jedoch zu verstehen, wie Kommunikation wirkt. Wenn wir nicht wissen, wie Kommunikation wirkt, verstehen wir auch nicht, warum wir immer wieder dieselben Kommunikationsfehler machen und dieselben unguten Reaktionen und Resultate erzielen.

„Ohne die Kenntnisse der Kommunikationswirkung ist eine gelungene zwischenmenschliche Interaktion mehr ein Zufall als ein gezieltes wiederholbares Ereignis.“ R. Salerno 

Darum geht es bei BiKom:
Die biologische Kommunikationspsychologie (BiKom) zeigt uns, wie Kommunikation wirkt und wie wir angstfrei kommunizieren können. Denn erst, wenn uns dieser wichtige Einflussfaktor bewusst ist und wir wissen, wie wir damit umgehen müssen, werden wir auch in der Lage sein, besser zu kommunizieren – sei es in der Partnerschaft, bei Beziehungsproblemen oder mit den Nachbarn, mit der Familie oder als Führungskraft oder bei Problemen im Job, mit dem Chef oder den Kollegen, als Lehrer, Polizist, Arzt oder Verkäufer usw. 

Durch das Verständnis der Kommunikationswirkung wird es uns leichter fallen, uns selbst und andere zu verstehen und angemessener zu kommunizieren.


 Weiter zu:

1.0 Einleitung
2.0 Unsere Biologie hat die Kontrolle
3.0 Der biologische Abwehrmodus (BA)
4.0 Wie wirkt Kommunikation
5.0 Was können wir tun
6.0 Streit, unsere Erkenntnis und Lösung dazu


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