3.1 Was geschieht mit uns im biologischen Abwehrmodus? - AFZMB

 

BiKom biologische Kommunikationspsychologie

3.1 Was geschieht mit uns im biologischen Abwehrmodus?

Wenn Sie wissen wollen, wie Kommunikation wirkt

 

Zur Beantwortung dieser Frage sind einige Informationen über unsere biologischen Mechanismen nötig. Die wichtigste Funktion im Gesamtkomplex des biologischen Abwehrmodus (BA) ist das vegetative Nervensystem (VNS), vor allem die Nervenbahnen des Sympathikus (Sympathicus).

 

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Solange wir uns wohlfühlen, ist das Verhältnis im vegetativen Nervensystem (VNS) ausgeglichen. Aber sobald wir in den biologischen Abwehrmodus (BA) rutschen, übernimmt der Sympathikus die Kontrolle. Dabei gibt es zwei Varianten: im Kampfmodus und Fluchtmodus sind wir auf Maximalleistung eingestellt. Hingegen beim Erstarren geschieht genau das Gegenteil. Es wird uns fast alles an Energie geraubt, so dass wir uns fast gar nicht mehr bewegen können. Wir erstarren förmlich, die Atmung wird flach und leise, unsere Muskulatur ist kraftlos, alles läuft wie in Zeitlupe ab. Der Sinn des Erstarrens ist, dass ein Raubtier einen nicht wahrnimmt oder sogar glaubt, wir seien tot, also Aas, das ein Raubtier nicht frisst.

 

 

Die Körperveränderungen im sympathicotonen Zustand: die Physiologie (bitte ignorieren Sie hier einfach die Fachbegriffe, am Ende wird es leicht verständlich in einem Satz erklärt). Es wird Acetylcholin als präsynaptischer Rezeptor und Noradrenalin (nicht Adrenalin!) als postsynaptischer Neurotransmitter ausgeschüttet. Das Nicht-Adrenalin (Noradrenalin) wird über α- und β-Adrenozeptoren vermittelt, ausgenommen die Schweißdrüsen. Das Herz wird chronotrop, dromotrop, inotrop, bathmotrop, lusitrop Sprichwort: vor Angst rutscht ihm das Herz in die Hose. Die Blutgefäße werden vasokonstriktiv, tonisierend. Sprichwort: kreidebleich, blass vor Angst. Die Bronchien werden dilatierend, verminderte, flüssige Schleimsekretion. Beim Gastrointestinaltrakt haben wir verminderte Drüsensekretion, verminderte Peristaltik. Sprichwort: vor lauter Angst bekommt er keinen Bissen mehr herunter, hat es ihm den Appetit verschlagen. Bei der Harnblase haben wir Kontraktion des Musculus sphincter urethrae, Erschlaffung des Musculus detrusor vesicae. Sprichwort: sich vor Angst in die Hose machen. Beim Auge Dilatation des Musculus sphincter pupillae, Dilatation des Musculus ciliaris mit verminderter Akkommodation. Sprichwort: er bekommt große Augen, reißt die Augen auf vor Angst. Bei den Schweißdrüsen vermehrte Schweißsekretion. Sprichwort: Angstschweiß auf der Stirn.

 

In einem Satz:

„Wir haben somit das Herz in der Hose und sind kreidebleich vor Angst, dass wir keinen Bissen mehr herunter bekommen, die Augen aufreißen und Angstschweiß auf der Stirn.“

Das sind die körperlichen Reaktionen bis hin, sich die Hose zu nässen.

 

Die psychischen Symptome während des sympathicotonen Zustands: Zwangsdenken, Gewohnheitshandlung, Problemdenken, eingeschränkte Denkfähigkeit, innerliche Aufruhr, Scheuklappen, geistig stecken geblieben. Das bedeutet, im sympathicotonen Zustand kann ein Mensch kaum noch klar denken, kann einem also auch nicht folgen, versteht nur undeutlich, was wir ihm zu verstehen geben wollen oder ist so sehr mit seiner Angst beschäftigt, dass er am liebsten nur davon laufen würde oder uns auf die Nase schlagen möchte. Aber genauso geht es auch ihnen, wenn sie in dem biologischen Abwehrmodus gefangen sind. Als Beispiel: wie oft haben wir schon gelesen, dass Menschen bei einer mündlichen Prüfung fast alles vergessen haben oder manche nicht einmal mehr ihr Geburtsdatum wiedergeben konnten, dass einem selbst die einfachsten und sicher bekannten Dinge unter solchen Umständen nicht einfallen.

 

Dieser biologische Abwehrmodus (BA) ist bereits bei einer geringen Auslöseschwelle gegeben. Das bedeutet, wenn wir uns während eines Gesprächs aufregen, wird unsere Denkleistung eingeschränkt, und je mehr wir uns aufregen, desto weniger können wir einen klaren Gedanken fassen. Wir verfallen in Gewohnheitshandlungen und Denkmuster, die uns das sinnvolle Kommunizieren immer weiter erschweren.

 

Wenn Sie also einen Chef, Mitarbeiter, Partner oder ein Kind haben, bei dem Sie das Gefühl haben, er bzw. es hört Ihnen nicht richtig zu oder versteht überhaupt nicht, was Sie ihm sagen, wobei er bei anderen Menschen ganz normal ist, dann ist er in Bezug auf Ihre Person im biologischen Abwehrmodus (BA). Das wiederum bedeutet, dass diese Person Sie als eine Gefahr für sich und sein Überleben eingestuft hat. Überspitzt dargestellt: Sie bedrohen ihn mit Ihrer bloßen Anwesenheit, bedrohen sein Leben, Sie sind für diese Person ein Raubtier, das sich gleich über ihn hermachen wird. So empfindet dieser Mensch Ihnen gegenüber – unabhängig davon, wie Sie das sehen oder empfinden. Solange Sie dieser Person nicht die Angst vor Ihnen nehmen können, wird sie sich immer abwehrend oder abwesend Ihnen gegenüber verhalten.

Diese wichtige Erkenntnis gilt es, bei jeder Interaktion mit anderen zu bedenken.

Ein Mensch kann somit den biologischen Abwehrmodus (BA) bei einem anderen aktivieren, z.B. nur durch seine Anwesenheit und noch viel mehr durch seine Art der Kommunikation. So geht es vielen Mitarbeitern, Kindern oder Paaren. Sie haben regelrecht Angst vor dem anderen. Das ist die Sprache des Körpers und seiner Biologie, auch wenn Menschen intellektuell versuchen, das zu unterdrücken oder es sich schön zu reden. Vor allem Eltern wollen es nicht wahrhaben, dass Kinder in diesen Momenten Angst vor ihnen haben.

 

Genauso kann ein bestimmtes Umfeld den BA bei einer Person auslösen. Als Beispiel der Zahnarzt. Nur der Gedanke an den Termin oder das Wartezimmer, Gerichtssäle, Polizei, Anwälte, Spritzen, Spinnen, Prüfungsräume usw.

 

Da wir nun die psychischen Reaktionen kennen, wissen wir, warum es keinen Sinn macht, mit jemandem im biologischen Abwehrmodus (BA) noch weiter zu reden oder zu verhandeln, bevor er diesen Modus nicht verlässt. Er ist schon längst im Flucht- oder Erstarrungsmodus und versteht gar nicht mehr, was wir eigentlich von ihm wollen oder um was es geht. Er kann kaum noch klar denken und ist in seinen Gewohnheitshandlungen, Denkmustern und Kommunikationsmethoden gefangen. Er wird wie immer schwindeln oder etwas leugnen, das Gegenteil behaupten, beleidigt sein, zurück schreien, toben oder ähnliches; alles, was er in diesem Moment jedes Mal tut, wenn er sich bedrängt, bedroht oder unwohl fühlt, ohne dass er sich darüber tatsächlich bewusst ist, dass er das tut.

 

Wir erreichen mit unserem Verhalten, ohne die Wirkung der Kommunikation zu berücksichtigen, immer nur das, was wir meistens in solchen Situationen erreichen. Egal, wie oft wir diese unguten Vorgehensweisen wiederholen, in der Hoffnung, dass der andere es aufgrund unserer Attacken endlich lernen wird, werden wir nicht die gewünschte Veränderungen erzielen, solange wir die Wirkung der Kommunikation nicht mit berücksichtigen. Teilweise verschärfen und steigern viele auch noch ihr unfreundliches Vorgehen dieser Person oder diesem Kind gegenüber in der Hoffnung, je härter, desto wirkungsvoller. Er wird nichts lernen, weil in diesem biologischen Ausnahmezustand kein Lernen möglich ist. Er wird es das nächste Mal wieder so machen, weil auch das ein biologisches Programm ist, für das er keine Alternative erlernt hat, und mit unserem Verhalten, wie anschreien, ausgrenzen, ermahnen, drohen oder Sanktionen werden wir ihm auch nicht helfen, etwas zu verändern. So, wie wir nichts lernen, weil wir in solchen Momenten selbst so tief im biologischen Abwehrmodus (BA) stecken, dass wir unser ungutes, unfreundliches, teilweise unverschämtes, verletzendes Vorgehen gar nicht mehr bemerken und getrieben von der Biologie auch ständig dasselbe ungute Vorgehen anwenden. Keinem ist mit solchen Vorgehensweisen geholfen: uns nicht und dem Anderen nicht. Wir sollten diese unvorteilhaften Kommunikationsmethoden ablegen, sonst kommen wir keinen Schritt weiter.

 

 

BiKom® – INHALT:

1.0 Einleitung

2.0 Unsere Biologie hat die Kontrolle

3.0 Der biologische Abwehrmodus (BA)

3.1 Was geschieht mit uns im biologischen Abwehrmodus

4.0 Wie wirkt Kommunikation

5.0 Was können wir tun

 

 

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